Kreatives Umfeld · August 2022
Im Atelier.
Gemeinsam mit der Fotografin Pia Ulin, der Stylistin und Autorin Cilla Ramnek und der Künstlerin Viola Sparre haben wir uns eingehend mit der Rolle unserer Schreibtafeln in einer lebendigen, unordentlichen und kreativen Atelierumgebung beschäftigt.
Ein Studio, ein Atelier – was braucht es? Wie gestaltet man einen Raum für freies Denken und Kreativität? Können wir allgemeine Richtlinien vorschlagen? Vielleicht nicht. Schließlich macht es jeder auf seine eigene Weise. Manche füllen ihn mit interessanten Gegenständen, Materialresten und zufälligem Krimskrams, während andere sich am genauen Gegenteil erfreuen: geordneten, aufgeräumten Räumen mit klaren Linien, Winkeln und gespitzten Bleistiften, die in stiller Bereitschaft warten.

Dies ist ein Klassenzimmer, angenehm abgenutzt und mit leichter Hand gepflegt. Eine nachsichtige Umgebung, die die unverkennbaren Spuren vieler Jahre kreativen Schaffens trägt. Manchmal beherbergt es eine Gruppe von Kreativen. Manchmal, wenn man Glück hat, hat man den ganzen Raum für sich und kann sich ausbreiten, wie man möchte.

Aber der Prozess selbst, worum geht es dabei eigentlich? Er beginnt vielleicht in einer Art Chaos, einer Sammlung von Materialien. Sich rein intuitiv in weiten Kreisen um ein Thema bewegen, das noch nicht ganz ausformuliert ist. Suchen und finden – vielleicht eine Feder oder eine zerknitterte Tüte in einem verlockenden Zitronengelb. Alte Skizzen und Notizen an die Wand heften. Ein Wort, ein Satz, der einem in den Kopf kommt – am besten gleich auf einer Schreibtafel notieren, bevor man ihn verliert! Langsam entsteht im Raum eine Collage aus Worten, Bildern und kleinen Zeichnungen. Ein Miniaturuniversum, dies, das und jenes in physischer Form. Im besten Fall beginnt man zu verstehen, in welche Richtung es geht.

Violas Gemälde entspringen Situationen aus der Kindheit – erlebt, erträumt oder vorgestellt, alle mit einer spürbaren emotionalen Ladung. Wie eine Archäologin der Gefühle fügt sie Fragmente zusammen und schafft Momentaufnahmen bestimmter Augenblicke. Eine Decke, ein flüchtiger Blick auf eine Tapete oder die Art, wie das Licht auf einen Hochflorteppich fällt; Details, ausgegraben aus den Minen der Erinnerung. Es trifft die Betrachtenden mitten in den Solarplexus, und sie denken: Ja, so war es bei mir auch!

Schreibtafeln und Pinnwände werden gefüllt und gelöscht, während die Arbeit voranschreitet. Es ist ein so analoger Prozess, wie er nur sein kann. Kompositionen entstehen und entwickeln sich weiter, manchmal so schön, dass sie danach verlangen, dokumentiert zu werden.

